1470 – 1600 · ANTIKE VORBILDER, NEUE ÖFFENTLICHKEITEN
Renaissance.
Die Renaissance verändert Vorstellungen von Bildung und Gestaltung. Deutschsprachige Verse antworten darauf zwischen Satire, Lied und öffentlicher Debatte.
HINTERGRÜNDE UND ZUSAMMENHÄNGE
Die Epoche verstehen
Ein Blickwinkel auf eine Übergangszeit
Renaissance ist zunächst kein von allen Schriftstellern verwendetes Programmwort. Der spätere Epochenbegriff beschreibt die erneute Beschäftigung mit antiken Formen und Wissensbeständen sowie veränderte Vorstellungen menschlicher Gestaltungsmöglichkeiten. In der deutschsprachigen Literatur ist dieser Wandel mit den Traditionen des späten Mittelalters verbunden. Er setzt nicht überall gleichzeitig ein und verdrängt ältere Formen keineswegs vollständig.
Dichtung zwischen Lernen und Streit
Satirische Verserzählung, städtischer Spruch und geistliches Lied sprechen unterschiedliche Leser und Hörer an. Der Buchdruck schafft dafür neue Verbreitungswege. Reformatorische Auseinandersetzungen verleihen vielen Texten eine besondere Dringlichkeit: Sprache soll nicht nur schön sein, sondern verständlich, erinnerbar und überzeugend wirken. Humanistische Gelehrsamkeit und deutschsprachige Öffentlichkeit können sich dabei ergänzen, aber auch verschiedene Ziele verfolgen.
Zwei Rubriken, derselbe historische Horizont
Die historische Sammlung führt Renaissance zusätzlich zur Rubrik Renaissance und Humanismus. Die zeitliche Überschneidung ist beabsichtigt sichtbar; sie bezeichnet keine zweite, nachfolgende Epoche. Die fünf Beispiele werden deshalb in beiden Zusammenhängen gezeigt. Als Leseweg empfehlen sich der Vergleich von Satire und Bekenntnis, die Frage nach dem angesprochenen Publikum und die Beobachtung, wie tradierte Formen für aktuelle Konflikte nutzbar gemacht werden.
EIN LESEWEG DURCH DIE EPOCHE
Fünf prägende Gedichte
Eine redaktionelle Auswahl, kein abschließender Kanon: Zu jedem Werk erfahren Sie, warum es die Epoche anschaulich macht. Bei mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Texten gehören auch Lieder und längere Versdichtungen dazu. Verfügbare Gedichte öffnen Sie im Archiv, weitere Werke über die angegebene Quelle.
Hans Sachs
Die Wittenbergisch Nachtigall
Das umfangreiche Spruchgedicht übersetzt die Auseinandersetzungen der Reformation in ein wirksames allegorisches Bild.
Werkverzeichnis und Textquellen ↗Hans Sachs
Das Schlaraffenland
Die verkehrte Welt des Überflusses verbindet Unterhaltung mit einer satirischen Prüfung von Arbeit und Lebensordnung.
Werkverzeichnis und Textquellen ↗Martin Luther
Ein feste Burg ist unser Gott
Der Gemeindegesang veranschaulicht, wie volkssprachige Verse religiöse Überzeugung und gemeinschaftliche Selbstvergewisserung verbinden.
Werkquelle öffnen ↗Ulrich von Hutten
Ich hab’s gewagt
Das Bekenntnis zu einem riskanten öffentlichen Handeln zeigt die politische Zuspitzung humanistischer und reformatorischer Streitkultur.
Werkverzeichnis und Textquellen ↗Sebastian Brant
Von unnützen Büchern
Das Eingangskapitel des Narrenschiffs stellt vorgezeigten Buchbesitz gegen wirkliche Bildung und selbstkritische Erkenntnis.
Verssatire in der historischen Ausgabe ↗Die Zuordnung und die Kurzdeutungen sind redaktionelle Einordnungen. Externe Werkbelege können zu Textausgaben, Werkverzeichnissen oder wissenschaftlichen Besprechungen führen. Sie ergänzen die Sammlung, ohne geschützte Volltexte hier zu übernehmen.