1600 – 1720 · ZWISCHEN WELTLUST UND VERGÄNGLICHKEIT
Barock.
Strenge Formen, große Gegensätze: Barocke Lyrik hält Schönheit und Zerstörung, Lebenslust und Todesbewusstsein nebeneinander.
HINTERGRÜNDE UND ZUSAMMENHÄNGE
Die Epoche verstehen
Dichten in einer unsicheren Welt
Krieg, Seuchen und konfessionelle Konflikte bilden wichtige Erfahrungsräume des 17. Jahrhunderts. Die Lyrik antwortet darauf jedoch nicht mit einer einzigen Stimmung. Neben Klage und religiöser Hoffnung stehen Liebeswerbung, sinnliche Freude und demonstrative sprachliche Kunst. Der Gedanke der Vergänglichkeit lässt die Welt zugleich kostbar und unbeständig erscheinen. Eine rein düstere Vorstellung des Barock würde diese Gegensätze verkürzen.
Die Ordnung des Gedichts
Versmaß, rhetorische Figuren und Gattungstraditionen sind bewusst eingesetzte Mittel. Das Sonett bietet einen besonders wirkungsvollen Raum für gedankliche Wendung und scharfe Gegenüberstellung. Der Alexandriner mit seiner markanten Binnenpause kann solche Kontraste hörbar machen. Dichter arbeiten an einer anspruchsvollen deutschen Literatursprache und treten dabei in einen Wettbewerb mit älteren und europäischen Vorbildern.
Fünf Zugänge zum barocken Denken
Gryphius verbindet die Begrenztheit menschlichen Lebens mit religiöser und gesellschaftlicher Reflexion. Hoffmann von Hoffmannswaldau richtet den Blick auf das Verhältnis von körperlicher Schönheit und Zeit. Opitz macht aus der knappen Lebensdauer ein Argument für gegenwärtige Liebe. Die ausgewählten Gedichte sind deshalb als Spannungsfeld zu lesen: dieselbe Erfahrung der Endlichkeit kann zur Abkehr von der Welt, zur Frage nach Verantwortung oder zur Bejahung des Augenblicks führen.
EIN LESEWEG DURCH DIE EPOCHE
Fünf prägende Gedichte
Eine redaktionelle Auswahl, kein abschließender Kanon: Zu jedem Werk erfahren Sie, warum es die Epoche anschaulich macht. Bei mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Texten gehören auch Lieder und längere Versdichtungen dazu. Verfügbare Gedichte öffnen Sie im Archiv, weitere Werke über die angegebene Quelle.
Andreas Gryphius
Es ist alles eitel
Die Folge wechselnder Bilder macht Vergänglichkeit zum Grundmuster einer scheinbar beständigen Welt.
Du siehst, wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden. Was dieser heute baut, reist jener morgen ein: Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein Auf...
Gedicht im Archiv lesen →Andreas Gryphius
Tränen des Vaterlandes
Die Kriegsklage verbindet körperliche Zerstörung, gesellschaftliche Verwüstung und die Frage nach dem Verlust des Geistigen.
Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret! Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kart...
Gedicht im Archiv lesen →Andreas Gryphius
Abend
Der Tageslauf wird zum Bild des Lebensendes; geordnete Form und religiöse Bitte begegnen einander.
Der schnelle Tag ist hin, die Nacht schwingt ihre Fahn Und führt die Sterne auf. Der Menschen müde Scharen Verlassen Feld und Werck; wo Thir und Vög...
Gedicht im Archiv lesen →Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Vergänglichkeit der Schönheit
Die Beschreibung körperlicher Schönheit wird durch die Vorstellung ihres Verfalls zugleich entfaltet und unterlaufen.
Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand Dir endlich mit der zeit umb deine brüste streichen Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;...
Gedicht im Archiv lesen →Martin Opitz
Ach Liebste, laß uns eilen
Das Liebesgedicht begründet die Dringlichkeit des Augenblicks mit dem unausweichlichen Vergehen von Jugend und Schönheit.
Werkverzeichnis und Textquellen ↗Die Zuordnung und die Kurzdeutungen sind redaktionelle Einordnungen. Externe Werkbelege können zu Textausgaben, Werkverzeichnissen oder wissenschaftlichen Besprechungen führen. Sie ergänzen die Sammlung, ohne geschützte Volltexte hier zu übernehmen.