Wolfgang Borchert

Nachts

Meine Seele ist wie eine Straßenlaterne. Wenn es Nacht wird und die Sterne aufgehn, beginnt sie zu sein. Mit zitterndem Schein tastet sie durchs Dunkel, verliebt wie die Katzen auf nächtlichen Dächern, mit grünem Gefunkel in den Augen. Menschen und Spatzen schlafen. Nur die Schiffe schwanken im Hafen. Hebt der Mond sich über den Rand von einem Kirchendache, ist in meinen Augen knisternd ein Streichholz auf geflammt, und ich lache. Regen rinnt – bei mir sind nur mein Schatten und der Wind. Und meine Hände haben noch den Duft von irgendeinem schönen Kind.