Theodor Storm

Einer Toten

Das aber kann ich nicht ertragen, Dass so wie sonst die Sonne lacht; Dass wie in deinen Lebenstagen Die Uhren gehen, die Glocken schlagen, Einförmig wechseln Tag und Nacht; Dass wenn des Tages Lichter schwanden, Wie sonst der Abend uns vereint; Und dass, wo sonst dein Stuhl gestanden, Schon andre ihre Plätze fanden, Und nichts dich zu vermissen scheint; Indessen von den Gitterstäben Die Mondesstreifen schmal und karg In deine Gruft hinunterweben, Und mit gespenstig trübem Leben Hinwandeln über deinen Sarg.