Heinrich von Kleist

An die Königin von Preußen

Zur Feier ihres Geburtstages den 10. März 1810

Erwäg ich, wie in jenen Schreckenstagen, Still deine Brust verschlossen, was sie litt, Wie Du das Unglück mit der Grazie Tritt Auf jungen Schultern hast getragen, Wie von des Krieges zerrissnem Schlachtenwagen Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt, Wie trotz der Wunde, die Dein Herz durchschnitt, Du stets der Hoffnung Fahn uns vorgetragen: O Herrscherin, die Zeit dann möcht ich segnen! Wir sahn Dich Anmut endlos niederregnen, Wie groß Du warst, das ahndeten wir nicht! Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert; Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert, Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!