Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Entwurff der liebe

Die lieb ist unvernunfft / die mit vernunfft vermengt / Ein fried-gesellter haß / betrug vermischt mit glauben / Ein' hoffnungsvolle furcht / ein schiffbruch / dessen rauben Uns dennoch süsse dünckt / ein stein so uns bedrängt / Ein angenehm Charybd / und ein gesundes krancken / Ein hunger der sich muß mit seiner sattheit zancken / Ein vollgezechter durst / und trunckne nüchternheit / Ein schönes freuden-spiel / das garstig unglück endet / Ein port der uns verschlingt / wenn man schon angelendet / Ein süsser übelstand / und üble süssigkeit / Ein bittrer honigsafft / der von geruch beliebet / Und der uns im geschmack gifft / pest und galle giebet / Ein wetter das man wünscht / und eine lichte nacht / Ein dick verfinstert licht / ein abgestorbnes leben / Und ein belebter tod; ein fehler der vergeben / Doch nicht vergessen wird. Ein schandfleck / der mit pracht Und schmincke sich bestreicht. Ein tugendhafftes laster Und schnöder missethat gelindes arzney-pflaster / Ein unbeständig spiel und ein beständig trug / Ein' ausgekräffte krafft / ein ganz beweglich festes / Ein allgemeiner schluß / der narrheit nennt sein bestes / Ein rath / der urtheil spricht ganz ohne recht und fug / Ein wohlstand / der betrübt / ein glück / das nicht erscheinet / Ein lust-hauß / da die seel den freyen stand beweinet.